Retour au Burkina – Nach anderthalb Jahren

Bon retour liebe Leser,

anderthalb Jahre nach meiner Abreise aus Burkina im Jahr 2008 bin ich nun endlich wieder dort gewesen: Drei Wochen Ouaga und danach runter nach Bénin, um die Hochzeit meiner damaligen ouagalesischen Mitbewohner zu feiern. Hier eine kleine Zusammenstellung der Mails, die ich beim zweiten Mal geschrieben habe; mehr Fotos gibt’s im Fotoalbum (siehe Blogroll).

Hallo zusammen! Ich bin am Samstag den 30. Januar wohlbehalten mit nur 3h Verspaetung in Ouaga angekommen. Barbary und David  haben mich abgeholt und noch am Flughafen (der derzeit wegen Umbau eigentlich nur aus Sperrholz besteht) ein SoBBra mit mir getrunken. Danach ging stilecht mit dem Moto nach Dapoya und ich konnte die gesamte Fahrt nicht fassen, dass ich wirklich endlich wieder in Ouaga bin – ich hab jetzt noch Schwierigigkeiten das zu glauben.

Unser Haus steht noch und sieht aussen wie innen aus wie fueher (nur ein paar Betten wurden umrangiert aber, es ist unglaublich, meine Matratze existiert noch immer und die Kuhle ist tatsaechlich NOCH tiefer geworden!). Auch die Ausstattung ist zu 99% noch unsere, ich hab mich gleich zu Haus gefuehlt.

Dapoya sieht soweit das Auge von uns aus reicht fast aus wie frueher, nur wenn man gen Barrage blickt, sieht man das Chaos, dass die Flut vom 1. September hinterlassen hat. Yacouba (Internetmann) hat eine kleine Dapoya-Rundfahrt mit mir gemacht und es ist wirklich einfach alles, was nicht aus Zement oder Eisen war, weg, platt und kaputt. Zu meiner grossen Freude hat das Pelikan des Kunde, mein alter Lieblungsmarquis, aber ueberlebt und vor kurzem neu eroeffnet, so dass ich in den naechsten Tagen Petits Poids essen und dabei an euch denken werde.

Yacouba selbst hat sein Haeuschen und Besitzverloren, aber der Hof seiner Familie steht noch, da er aus Stein gebaut ist. Er selbst nzohnt dezeit bei einem Freund. Das Internetcafe an der Ave Dapoya existiert auch nicht mehr, aber das haengt nicht mit dem Hochwasser sondern mit irgendwelchen dubiosen Rechnungsproblemen zusammen. Yacouba und Thomas arbeiten jetzt in anderen Cybers (in einem davon sitze ich gerade).

Amédée geht es ebenfalls bestens. Ich hab sie gleich am Sonntag besucht und – ich kann es gar nicht beschreiben wie sehr sie sich gefreut hat. Joseph ist jetzt 5, kann viel besser Franzoesisch, ist aber ansonsten genauso quirlig und verrueckt wie vor 1,5 Jahren. Amédées Sohn macht im Juni Bac und ist einer der besten der Klasse. Er will danach irgendwas mit Industrie studieren. Da er unbedingt dafuer nach Europa will, lernt er wie ein Bekloppter (Amédée meint er macht seit Monaten nichts aneres mehr, geht nie aus, nichts), um irgendwie eine Chance bzgl eines Stipendiums zu haben. Dem Rest der Familie geht es auch gut, Amédées Haus blieb auch von den Fluten verschont.

Moussa geht es ebenfalls gut. Er kann viel viel viel besser Franzoesisch, er ist nicht mehr so schuechtern und untergeben sondern richtig offen und selbstbewusst. Er hat vor einem Monat eine kleine Tochter namens Wasilatu bekommen und in den naechsten Tagen werde ich da wohl mal einen Besuch abstatten und das Kindchen bewundern. Der Sonntagswaechter ist neu und heisst Marcel, Michael oder Lycien. Irgendwie versteh jeder jedesmal was anderes und egal was man sagt, er nickt freundlich und ist ebenfalls sehr nett. Ausserdem ist sehr viel wacher als Paul es jemals war und bis dato hatte er auch immer was an, wenn ich ihm begegnete.

Rosine (die Yams und Beignet-Frau vor unserer Tuer) hat bei der Flut ihr Haus verloren und wohnt jetzt in Paspanga. Sie hat aber Kontakt mit Amédée und ihr geht es gut und sie laesst alle gruessen. Es gibt zu meiner grossen Freude aber eine neue Yamsfrau, deren Tomatensosse fast so gut ist wie die von Rosine.

In dem blauen Kastendings bei uns vorm Haus gibts immernoch Nescafé au Dosanlait und Sandwich d’Omlette – habe ich heute zum Mittag gehabt. Jessica, du hast dabei sehr gefehlt!
Der Elektriker existiert auch noch und als ich montag mogen bei ihm reinschaute hat er doch tatsaechlich geweint vor lauter Freude. Er guckte erst irritiert, machte dann das typisch “Ah!!”, schlug sich die Hand vor den Mund und weinte und stammelte “Joana… T’es revenu”. Ich war mittelmaesig ueberfordert. Bis dato war ich die, die dauernd losheulte vor lauter Wiedersehensfreude. Nachdem er sich gefasst hat haben wir ein bisschen geplaudert und er ist ganz stolz, weil er jetzt zur Abendschule geht.

Am Sonntag war ich mit Barbary, Mano und West in Tampuy in einem Marquis um das Finale der CAN zu schauen. West geht es gut und ebenso den ganzen anderen von AAS, die auch dort waren. Nur die Tatsache, dass Ägypten gewonnen hat und nicht Ghana, war ein bisschen stimmungsdaempfend…

Gestern war ich am Grandmarché, der inzwischen nach ewig langem Wiederaufbau eroeffnet hat  (und wo jetzt Fussgaengerzone ist, weshalb ich voellig verwirrt mit meinem Moto daherkurvte und die Polizei schreiend hinterherlief) um in meinem Stamm-Laden Pagnes zu kaufen (der Verkaeufer erkannte mich auch gleich); die ich dann gleich meiner ersten Schneiderin Edi (die bei uns um die Ecke) gebracht hab. Edi konnte auch nicht glauben, dass ich ploetzlich vor ihr stand und hoerte nicht auf, Fotos von mir zu machen.

Alizèta, meine andere Schneiderin und gute Freundin, habe ich angerufen und sie auf ein Crêpe eingeladen. Sie konnte nicht fassen, dass ich mein Versprechen wahr gemacht habe und zurueckgekommen bin. Wir werden zusammen schoene Pagne aussuchen, aus denen sie mir dann einen traditionellen dreiteiler Séverines und Abdulayes Hochzeit schneidert. Ich bin schon gespannt.

Die beiden Maedels von der Buvette nebenan haben sich sehr veraendert. Sie sind ploetzich total gespraechig. Die aeltere, Elodie, kommt ab und zu einfach zum quatschen bei uns zu Besuch und ist so richtig erwachsen geworden, die juengere, Pelagie, ist noch schuechtern, aber viel weniger als frueher. Ich hatte erst sie getroffen, ihr Schokolade geschenkt und ihr gesagt wer ich bin, aber sie konnte sich nicht so richtig erinnern. Sie hat einfach nur gelaechelt und nix gesagt und ich bin dann gegangen. Pelagie hat dann ihrer Schwester erzaehlt, dass da so‘ne nasaara war und Elo ist zu uns rueber gekommen, um zu gucken, wer das war. Da sass ich dann auf der Veranda und sie wusste gleich wer ich war. Abends kam Pelagie nochmal zu uns weil sie sich nun auch erinnerte. Sie schlawenzelte dann die ganze Zeit um mich rum und erzaehlte ganz stolz, dass sie zu so einem Konfirmatiosnvorbereitungsdings geht. Ich war total begeistert, dass die beiden jetzt so offen sind und einfach mal bei uns vorbeischauen. Die dumme Tanti hat mich dann auch geich erkannt als ich fuer die WG Bier holen ging. Ich hoffe die Maedels habe ihre Schokolade gut versteckt…

Ja, ansonsten geniesse ich es hier. Ich fuehl mich ein bisschen wie im Traum und kann nicht glauben, dass ich wirklich wieder hier bin. Oder dass ich tatsaechlich 1,5 Jahre nicht hier war. Irgendwie fuehl ich mich so sehr zu Hause. Es hat sich auch so erstaunlich wenig veraendert. Sie Obsteierpagnefrau ist noch neben der Alimentation, wo auch auch alles wie frueher ist. Sie zockt einen immernoch ab und immernoch kriegt man bei Beschwerde eine Banane gratis dazu. Mangos essen geht auch imernoch nur so, dass einem der Saft bis zu den Ellenbogen laeuft und ein Stueckchen Mango moeglichst noch an der linken Augebraue klebenbleibt und erst Stunden spaeter entdeckt wird. Amédée hat imernoch den gleichen Tagesablauf, der Staub ist auch weiterhin rot und dringt penetrant bis in den hintersten Gehoergang vor und das Motofahren, tjaja, das ist ne Freude! Ich weiss noch genau wo und wie man am besten den Gegenverkehr schneidet, welchen Schlagloechern man besser ausweicht (dieses eine fiese auf der Ave Dimdolobsom ist immernoch da) und wie man sich am besten durch den Rond Point des Nations Unis draengelt. Ein Heidenspass sag ich euch!

Und was absolut grandios ist: Ich dachte immer ich bin fuer die meisten Leute im Quartier einfach eine der Nasaaras und als solche austauschbar. Dementsprechend verwundert war ich, als ich gestern zu Fuss gen boulangerie ging und mich immer wieder leute ansprachen mit “Ahh! T’es revenu!” und ganz viele wussten sogar meinen Namen und welcher “Nasaara-Generation” ich angehoerte. Und einige haben mich so herzlich und erfreut begruesst – das war echt ueberwaeltigend.

Ich werd jetzt erstmal einige Zeit in Ouaga bleiben. Leute sehen, SoBBra trinken,  Tee kochen, auf den Markt gehen und Henna kaufen, Stoffe kaufen, Sachen schneidern lassen, Moto fahren, zur Baratapas will ich mal, zu Chez Simon sowieso – hach, ich hab noch so viel vor bevor ich dann runter nach Benin fahre.

U.a. habe ich diesmal endlich Floby life erleben können. Hier ein Ausschnitt des Konzerts:

Kardjatou, DER aktuelle Superhit, live!


~ von jannna am Juni 12, 2010.

2 Antworten to “Retour au Burkina – Nach anderthalb Jahren”

  1. Liebe Johanna,
    ich habe Deinen Bericht mit Begeisterung gelesen. Ich kann Dein Gefühl ganz gut nachvollziehen, denn ich habe längere Zeit im Südpazifik gelebt und bin drei Jahre später wieder zu Besuch hingefahren. Es hat mich auch umgehauen!
    Ich möchte im November nach Ouga und dann weiter nach Cotonou. Im Internet habe ich eine Transportfirma entdeckt, die mit klimatisierten Bussen fährt. Aber egal wie. Bist Du die Strecke schon mal mit dem Bus gefahren? Über einen Tipp von Dir würde ich mich freuen.

    • Hallo,
      ja, die Strecke bin ich dieses Jahr im Februar gefahren und ich bin auch schonmal von Niamey nach Cotonou durchgefahren.
      Was klimatisierte Busse betrifft muss man mit den Infos vorsichtig sein, oftmals schreiben die, dass es eine Klimaanlage gibt, aber ob die dann tatsächlich funktioniert ist Glückssache. Bei meiner Ouaga-Cotonou-Tour funktionierte sie nicht. Gedauert hat das ganze gut 20h, mit etwa 2h an der Grenze (Visa für Benin am besten vorher organisieren, die stellen sich da an der Grenze an – bei der beninischen Botschaft in Ouaga dauert’s dafür nur max. 1h).
      Bei weiteren Fragen einfach eine Mail an Jannna(at)gmx.net :-)
      Grüße
      Johanna

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