Auf nach Timbuktu

Morgen werde ich nach Mali aufbrechen und meine Reisen mit dem krönenden Abschluss eines Aufenthaltes in Timbuktu für dieses Jahr beenden. Aber warum zieht es mich eigentlich nach Timbuktu, die goldene Stadt, die eigentlich bettelarm ist und aus Lehm besteht?

Die Legende macht’s, nehme ich an. Und es fängt schon mit der Anreise per Piroge an, denn:

 

Der Nil und der Kongo mögen die längsten Flüsse Afrikas sein; der Niger ist sicherlich der legendärste. Jahrhundertelang war man im Zweifel, ob er nach Osten oder nach Westen fließt. Dutzende von Expeditionen haben ihn befahren. Und alle waren auf der Suche nach der goldenen Stadt Timbuktu, deren Mythos schon vor mehr als zweitausend Jahren Europa erreichte. Fast alle Expeditionen sind gescheitert. Die einen verloren ihre Mannschaft durch tropische Krankheiten, die anderen wurden von Nilpferden angegriffen und wieder andere wurden von den Wüstennomanden überfallen und ermordet. Im Jahre 1826 gelang es dem einzigen Überlebenden einer britischen Expedition schwer verwundet Timbuktu zu erreichen. Nach kurzer Zeit hieß der Sultan ihn die Stadt zu verlassen. Nur 50km vor der Stadt wurde er erneut überfallen und schlussendlich enthauptet.

Timbuktu verlor seinen Reiz nicht, der internationale Wettlauf ging weiter und sogar so weit, dass die Geographische Gesellschaft Frankreichs einen Preis von 10.000 Francs für den ersten Mann ausrief, dem es gelänge, die goldene Stadt zu erreichen und lebend zurückzukehren. René Caillié, ein 16-jähriger Waisenjunge hörte von diesem Preis. Er nahm seine wenigen Ersparnisse und machte sich auf den Weg nach Afrika. Er dachte sich, dass man Afrika leichter allein, mit wenig Gepäck und Kenntnissen der lokalen Kulturen und Sprachen erkunden könne, als mit Hilfe von Samtjacken, Gewehren und der Bibel, wie die Engländer es versuchten. Caillié schloss sich einem Nomadenstamm in der Sahara an und nach einem lehrreichen Jahr fühlte er sich bereit und begab sich nach Guinea, von wo er mit einem Boot den Nunez hinauf fuhr und sich einer kleinen landeinwärts reisenden Karawane anschloss. Nach drei Monaten ereichte er den Niger. Doch anstatt mit einem Einbaum den Fluss zu befahren, setzte er seine Reise barfuß auf dem Landweg fort. Nach einem Monat litt er an akuter Malaria, konnte nichts mehr zu sich nehmen und hatte Geschwüre an seinem Fuß. Eine alte Frau nahm sich seiner an. Als nach vier Monaten die Malaria vorüber und der Fuß fast genesen war, bekam er Skorbut. Die alte Frau pflegte ihn abermals gesund. Fast ein halbes Jahr nach seiner Ankunft im Dorf der Frau, der er sein Leben zu verdanken hatte, schloss er sich einer Handelskarawane an und erreichte Djenne, eine Festungsstadt die auf einer Insel inmitten des Nigers liegt. In Djenne ging er an Bord einer Piroge, wo er unter Deck zwischen den Sklaven einen Platz zugewiesen bekam. Der weitere Weg wurde von Piratenüberfällen bestimmt. Dank der Sklaven, die Caillié bei Überfällen unter Decken und Matten versteckten, passierte ihm nichts. Am 25. April 1828, ein Jahr nach Beginn seiner Reise, erreicht Caillié Timbuktu: „Die Stadt war auf den ersten Blick nicht mehr als eine Ansammlung hässlicher Lehmhütten: Wohin man auch schaute, es gab nichts zu sehen als gewaltige Ebenen weißgelbe Treibsandes. Bis zum Horizont war der Himmel hellrot.“

Nach nur 10 Tagen verließ Caillié Timbuktu in Richtung Marokko. Es war Sommer, die Temperaturen betrugen bis zu 70°C und die 1600 Kilometern bis nach Nordmarokko führten an weniger als 20 Wasserstellen vorbei. Caillié musste sich auf eine Ration von weniger als einem Achtel Liter schmutzigen Wassers pro Tag beschränken und erreichte nach drei Monaten Marokko. Er war so ausgemergelt, dass seine Knochen durch die Haut stachen. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich war Caillié ein Nationalheld. Er erhielt die 10.000 Francs und wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Seine Geschichte schrieb er im „Journal d’un voyage à Tombouctou et à Jenne“ nieder. Seine Beschreibung Timbuktus passte jedoch nicht zu dem Bild, dass sich die französischen Leser von der sagenumwobenen Stadt ausgemalt hatten. Er wurde als Scharlatan angesehen und geriet in Vergessenheit. Sechs Jahre später starb er an den Krankheiten, die er sich auf seiner Reise zugezogen hatte.

 

Dieser Beitrag basiert weitestgehend auf einem Auszug aus dem wunderbaren Buch „Mit der Ente durch Afrika“ von Gerd Duson, das ich kurz vor meiner Abreise geschenkt bekommen habe. Der Autor ist ein reisefanatischer Belgier, der zusammen mit einem Freund und einem Citroen 2CV namens Chuckie in Schlagenlinien von Brüssel nach Kapstadt gefahren ist. Da ich hier keine Möglichkeiten habe, eine ausgiebige Recherche zu betreiben, belasse ich es bei dieser Zusammenfassung, die Duson „Ode an einen Helden“ betitelt.

~ von jannna am April 30, 2008.

2 Antworten to “Auf nach Timbuktu”

  1. Und? Wie ist es nun wirklich?

  2. Lustig, ich hätte garnicht gedacht das das *wirklich* so funktioniert. Komische Welt.

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